Warum gehen wir fremd? Weil wir es können, wäre eine mögliche Antwort. Seitensprünge sind im Zeitalter des Überflusses eine Möglichkeit, dem reichhaltigen Angebot Herr zu werden.

Entschuldbar macht diese Theorie Fremdgehen dennoch nicht. Nur eben ein wenig menschlicher. Als Kinder standen wir im Süßigkeitenladen und wollten den größten Lutscher, das bunteste Bonbon und die sahnigste Schokolade und irgendwie ändert sich diese „Alles-meins“-Mentalität im Alter nicht grundlegend. Nur verlagern wir unser Interesse auf die Menschen um uns herum. Auch hier gilt: Wir stehen vor einer riesigen Auslage und wollen am liebsten das, was wir nicht kriegen können, weil es zu weit oben liegt.

Fremdgehen, robad0b©Flickr

Von Seitensprüngen und vollen Einkaufstüten
Das führt dann dazu, dass Menschen sich einfach so durch das Angebot futtern und scheinbar wahllos mitnehmen, was die Werbung ihnen schmackhaft macht und was sie kriegen können. Und das wiederum führt zu Seitensprüngen, denn die Mitnahme-Mentalität ist nicht automatisch gestillt, wenn die Einkaufstüten schon voll sind. Der Mensch neigt dazu, immer noch einen drauf zu legen. Das fängt am Abendbuffet im Billighotel mit vollen Essenstürmen auf Touristen-Tellern an und hört beim Seitensprung noch lange nicht auf. Dabei gehen auch Menschen manchmal fremd, die ihren Partner lieben: Der Alkohol ist da einer der Hautverdächtigen. Wenn wir trinken und die Hemmungen fallen, werden auch die Zweifel lauter: Ist das, was wir haben wirklich schon alles, oder geht da noch was?

Schämt euch, Fremdgänger!
Genug der Entschuldigung, wer fremdgeht, sollte sich nämlich trotzdem schämen. Denn obwohl das Angebot reichhaltige und die Auslage bunt und verlockend ist, wir sind dem Kindesalter entwachsen, jedenfalls biologisch. Mental ist das ja immer so eine Sache. Wir sind darüber hinaus weder Marionetten, noch Roboter, noch Sklaven unserer Zeit. Wir sind herausgefordert, aber es ist nicht unmöglich, zu widerstehen. Der Überfluss ist da, aber das Angebot allein muss ja noch nicht heißen, dass wir es nutzen müssen.